Pekings Tempelmärkte sind eine Jahrhunderte alte Tradition, die heute die auch heute noch die Menschenmassen anzieht.

Das chinesische Neujahrsfest oder auch Frühlingsfest wird als der wichtigste chinesische Feiertag erachtet und leitet nach dem chinesischen Kalender das neue Jahr ein. Wer es nicht kennt, muss sich eine Mischung aus Weihnachten uns Sylvester vorstellen. Zum Neujahrsfest kommt die Familie zusammen und um Mitternacht wird wie bei uns an Sylvester mit gigantischen Feuerwerken die Nacht zum Tag gemacht.

Traditionell starten am darauffolgenden Tag die Tempelfeste oder auch Tempelmärkte, die im Chinesischen “Miaohui” heißen. Pekings Tempelmärkte waren besonders in der Qing-Dynastie beliebt. Der Überlieferung nach, wurden einige Märkte sogar alle zwei Wochen abgehalten. Traditionell boten kleine Buden Kleinkram und Essen wie kandierte Früchte auf Spießchen. Kulturell boten die Tempelfeste Oper, Akrobatik, Schattenspiel und Kabarett.

Heute sind die Tempelmärkte in Peking ein Teil der chinesischen Bespassungsindustrie. Besonders wichtig ist das Essen, das auch heute noch an zahlreichen Buden angeboten wird. Ähnlich wie bei uns auf den Krämermärkten werden zudem nahezu ausschließlich Unnützes angeboten, was jedoch zumindest bei der chinesischen Jugend bestens ankommt. Da auch Chinesen wissen, wie man dem Besucher das Geld aus der Tasche locken kann, gibt es mindestens noch einmal so viele Boden die mit Spielen locken, bei denen man die billig produzierten Plüschtiere über einen horrenden Einsatz gewinnen kann.

Menschen mit Platzangst sollten die Tempelfeste besser meiden. Obwohl die Märkte wie die Temple Fair im Ditan Park bereits um acht Uhr morgens öffnen und die Straßen Pekings aufgrund des chinesischen Neujahrs im Grunde zu dieser Zeit nahezu als menschenleer bezeichnet werden können, muss um den Park ein Heer aus Polizisten den Verkehr regeln. Unzählige private Sicherheitskräfte lenken die Menschenmassen in die Eingänge und vor den Kartenhäuschen bilden sich unübersehbar lange Menschenschlangen. Angeblich musste sogar schon einmal die nahegelegene U-Bahn-Station Yonghegong aus Sicherheitsgründen vorübergehend geschlossen werden.

Wer jedoch nicht an Agoraphobie oder gar Klaustrophobie leidet, dem ist ein Besuch dennoch zu empfehlen. Ein wenig Kultur ist auch geblieben. Tänze, Aufführungen und die nachgespielten Gebete für gute Ernte der kaiserlichen Familie bieten einen kleinen Einblick in die traditionelle Kultur der Tempelmärkte. Der Tempelmarkt im Ditan Park gilt zudem als der Größe in Peking und geht eine Woche lang.