Das Leben ist alles andere als farblos!
Mit über einer halben Milliarde Internetusern ist China die unbestrittene Großmacht im Internet.
Nach aktuellen Zahlen des China Internet Network Information Center (CNNIC) hat China mit 513 Millionen Internetusern über doppelt so viele Internetuser als die USA. Selbst beim Mobilen Internet hängt China die USA mit 365 Millionen Usern deutlich ab. China konnte hier im vergangenen Jahr einen Zuwachs von 17,5 Prozent verbuchen. Bei den normalen Internetzugängen war das Wachstum weniger berauschend. Gerade einmal 12,2 Prozent betrug hier das Wachstum und war damit das langsamste Wachstum in China seit 2002.
Auch wenn das chinesische Internet durch die “Great Firewall” zahlreiche Inhalte die sonst weltweit über das Internet abrufbar sind blockiert, hindert das die rund 40 Prozent der chinesischen Bevölkerung, die nun im Internet sind von deren Nutzung ab. Im asiatischen Vergleich steht China auch gut da. Ausgenommen von Japan, Südkorea und Singapur, in denen rund 70 Prozent der Bevölkerung im Internet ist, haben in den anderen asiatischen Staaten nur rund 24 Prozent der Bevölkerung einen Zugang zum Internet.
“Facebook”, “Twitter” und “Youtube” sind in China ohne eine für China “illegale Software” mit der man die “Great Firewall” umgehen kann nicht erreichbar. Die chinesischen Internetuser können darauf jedoch auch gut verzichten. Anstelle von “Youtube” werden im Reich der Mitte Portale wie “Youku” oder “Tudou” verwendet. “Facebook” und “Twitter” werden gleich mit einem einzigen Dienst ersetzt. “Weibo” bietet die Funktionen beider Dienste und ist derart beliebt, dass über 250 Millionen Chinesen diesen Dienst auch asgiebig nutzen. Diverse Medien in China haben sogar von über 300 Millionen Usern berichtet.
Sina.com gehört zu den populärsten Webseiten in China und ist zugleich auch der Anbieter von “Weibo”. Durchschnittlich verbringt jeder der 250 Millionen User pro Tag rund eine Stunde seiner Zeit mit “Weibo” und weitere 20 Minuten mit Sina.com. Ein einträgliches Geschäft für den Betreiber der Werbeplätze gewinnbringend vermarkten kann.
Auch wenn “Google” im Streit mit der chinesischen Regierung seine Drohung wahrgemacht und die Selbstzensur seiner Suchmaschine beendete und die Server in China “stilllegte”, ein Verlust ist es für die wenigsten Chinesen. In China nutzt man “Baidu”. Die Suchmaschinen “Baidu” hat einen Marktanteil von rund 75 Prozent und selbst vor dem Rückzug von “Google” dominierte “Baidu” den Markt. Analysen sprechen sogar schon von einem baldigen Marktanteil von 84 Prozent. Die wenigen Chinesen die “Google” vermissen, weichen schon heute auf den Google-Server in Hongkong aus.
Auch “Wikipedia” ist in China nicht immer erreichbar und auf der Liste der zensierten Internetseiten. Aber auch ohne “Wikipedia” können die Chinesen gut leben. “Baidu” hat hierfür einen eigenen Dienst, der über “zhidao.baidu.com” erreichbar ist und alle Fragen der Chinesen beantworten kann. “Zhidao Baidu” ist eine Mischung aks “ask.com” “Yahoo! Answers” und “Wikipedia” und erschlägt damit “Wikipedia” genauso effektiv wie “Weibo” die Dienste “Twitter” und “Facebook” auf einmal.
China benötigt keine Internetseiten, die sich mit der Niederschlagung der Proteste auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989 oder dem Konflikt um Tibet beschäftigen. Auch wenn dies Themen sind, die nicht offen im chinesischen Internet diskutiert werden können, die Themen sind genauso bekannt wie “Kulturrevolution”. Zudem haben Chinesen bei manchen Themen wie “Menschenrechtsfragen” und “Tibet” eine andere Meinung als der Westen. Für Chinesen ist und bleibt Tibet ein Teil der Volksrepublik und dass im Westen Mörder und Kinderschänder in luxuriösen Gefängnissen “durchgefüttert” werden ist für die Mehrheit der Chinesen absolut unverständlich, die Todesstrafe mehrheitlich nicht nur akzeptabel sondern sogar notwendig.
Die Nutzung von “Skype” und dem “MSN Messenger” sind in China kein Problem. Aber selbst wenn, wäre auch dies kein “Beinbruch”. “QQ” ist der meistverbreitete, kostenlose Instant Messenger Asiens und kommt natürlich aus China. Über 700 Millionen User verwenden zwischenzeitlich “QQ”, also über 200 Millionen User mehr, als es überhaupt chinesische Internetuser gibt.
Wer nicht “chatted”, schon alles weiss und daher auch im Internet nichts suchen muss und auch nicht das Bedürfnis hat der virtuellen Welt Wichtiges und Unwichtiges via “Weibo” mitzuteilen, der nutzt das Internet zum Einkaufen oder Spielen. “Ebay” gibt es in China zwar auch nicht, aber über “Taobao”, “360buy.com” und “Dangdang.com” bekommt man alles, auch was aus Urheberrechtsgründen im Westen nicht verkauft werden dürfte. Kein Wunder, dass zwischenzeitlich rund 200 Millionen Chinesen lieber vom Büro oder vom heimischen Sofa aus einkaufen. Nach Angaben von “Tuan800”, einer Internetseite, die die Umsätze im chinesischen Internet analysiert, wurden 2011 bereits täglich Waren im Wert von knapp 1,5 Milliarden Euro umgesetzt. “Group Buying” ist noch relativ neu im chinesischen Internet. Im vergangenen Jahr hat sich “Collective Buying” weiter durchsetzen können. Knapp 65 Millionen Chinesen schliessen sich heute schon zusammen, um gemeinsam bessere Preise erzielen zu können.
Was Online-Games angeht, müssen chinesische User schon zwangsgetrennt werden. Über ein Viertel der chinesischen Internetuser vertreibt sich die Zeit mit Online-Games, taucht ab in virtuelle Welten und bezahlt dies teuer mit dem hart verdienten Geld. Die chinesischen Hersteller, die heute schon weltweit den Markt der Online-Spiele beherrschen, freuen sich darüber. Infolge des weltweit wachsenden Absatzes von Online-Spielen nimmt der wirtschaftliche Stellenwert eine entscheidende Position ein. Chinesische Hersteller konnten die Vormachtstellung koreanischer Hersteller in nur drei Jahren (zwischen 2003 und 2006) brechen. Heute liefert China für die weltweite Spiele-Szene aktuelle Online-Spiele und einen noch wesentlich höheren Anteil für den heimischen Markt. Allein in den letzten drei Jahren zwischen 2008 und 2011 hat konnten die Hersteller von Online-Spielen ihre Gesamtumsätze nahezu verdreifachen. Chinas Videospielmarkt wächst schneller als die chinesische Wirtschaft.
Warum soll der Chinese auch das chinesische Internet verlassen? Über 4 Milliarden Webseite sind allein über Domains die in China registriert sind erreichbar. Weit über 90 Prozent der Internetseiten sind in chinesischer Sprache. In anderen Sprachen wertet die offizielle chinesische Statistik lediglich “Englisch” als weitere Sprache aus. Diese kommt auf gerade einmal 0,1 Prozent. Keine andere Sprache ist überhaupt soweit vertreten, dass diese statistisch erfasst wird.
Technisch ist China dem Westen im Internet überlegen. Kein anderes Land kann seine User derart bündeln wie die chinesischen Internetunternehmen. Mobiles Internet, in Deutschland sogar in manchen Großstädten nicht flächendeckend vorhanden, funktioniert in China sogar auf dem Land, in der U-Bahn und selbst in vielen Hochgeschwindigkeitszügen. Die Kosten sind unschlagbar günstig und selbst Geringverdiener in China können sich den Zugang zum Internet leisten. China ist eben, wie so oft, einfach “anders”. “QQ” gibt es bereits in englischer Sprache. Sollten Chinas Unternehmen auf den Geschmack kommen auch die Märkte ausserhalb Chinas zu bedienen, dürfen wir uns auf einiges gefasst machen. Erste Anzeichen hierfür gibt es bereits. Der chinesische Telekomkonzern China Telecom wird in Kooperation mit dem britischen Anbieter Everything Everywhere die Olympiade in London nutzen, um asiatischen Mobilfunkkunden spezielle Mobilfunkangebote als Mobile Virtual Network Operator anzubieten. Wenn der kleinste Mobilfunkanbieter Chinas spätestens bis März als virtueller Netzbetreiber in den britischen Mobilfunkmarkt einsteigt, ist es nur eine Frage der Zeit bis die Großen es dem Kleinen nachmachen. Da China Telecom das Geschäftsmodell auf Deutschland, Frankreich und die USA ausweiten möchte, ist mit reichlich Bewegung im Markt zu rechnen. Chinas Internetanbieter und Internetdienstleister werden sich dem europäischen Markt früher oder später annehmen.
Weibo in Peking
Seit China den Zugang zu Twitter gesperrt hat, gibt es Weibo. Der chinesische Klon sieht genauso aus wie sein amerikanisches Vorbild. Die Weibo-Revolution verändert China. “Alle” in China nutzen Weibo. Egal ob Verkaäuferin, Filmstar oder Politiker. Sogar westliche Prominente wie der US-Schauspieler Tom Cruise oder IWF-Chefin Christine Lagarde haben ihre eigenen Weibo-Accounts. Auch die Pekinger lieben Weibo. Von den 6.273.626 Internetusern in Peking nutzen 2.509.450 auch den Mikroblog Weibo.
Genutzt wird Weibo in China sehr intensiv. Alle Weibo-User in Peking haben heute umgerechnet 142.686 Tage damit verbracht, der Welt nützliches und unnützliches mitzuteilen oder dieses zu lesen. Dies sind umgerechnet 390,66 Jahre.
Glaubt man den chinesischen Statistiken und geht man zudem nur vom statistischen Durschschnittseinkommen in Peking aus, dann entstand allein durch die Nutzung des Online-Dienstes Weibo heute ein ein volkswirtschaftlicher Schaden von 3.159.246,66 Euro, da das Internet nicht zur von Zuhause, sondern auch am Arbeitsplatz verwendet wird.
Online Shopping in Shanghai
Online Shopping ist auch in China kein Fremdwort. Warum auch. Immerhin gibt es über wichtigsten Online-Portale alles zu kaufen das das Herz begehrt - auch Prorukte, die in Europa aus Urheberrechtsgründen nicht zu haben wären.
Auch in Shanghai ist Online Shopping begehrt. Allein an einem Tag wie heute werden über das Internet von rund 3.623.710 Nutzern, Waren im Wert von rund 24.648.112 Euro abgewickelt. Diese Zahlen könnten sich in kürzester Zeit verändern. Auch Chinesen versuchen “Schnäppchen” zu machen und so haben sich allein in Shanghai bereits rund 1.208.526 Personen bei Online Portalen angemeldet, über die man mittels “Group Buying” noch günstiger einkaufen kann.
Online-Games und Spieler in Guangzhou
Chinas Markt für Online-Spiele boomt wie die ganze Wirtschaft in China. Das Problem Internetsucht hatte nach einer Reihe an Todesfällen in Erziehungslagern für internetsüchtige Jugendliche landesweit Aufmerksamkeit auf sich gezogen, weshalb es seit 2010 auch gesetzliche Regelungen für Online-Spiele gibt. Für die Hersteller stehen nur die Zahlen im Vordergrund und die Umsätze und Gewinne sind beachtlich.
Statistisch spielen allein in Guangzhou rund 1.630.296 Personen Online Games, die nehezu ausschließlich von Chinesischen Herstellern angeboten werden. Diese erzielen damit pro Tag (Zahlen jeweils für nur für Guangzhou, nicht ganz China) einen Umsatz von 255.723 Euro. In diesem Jahr (Stand:20.01.2012) sind es bereits 4.858.739 Euro und bis Jahresende (2012) wird der Gesamtumsatz 93.338.934 Euro betragen, die regelrecht verzockt wurden. Statistisch gibt jeder Spieler pro Jahr 57,25 Euro für Online-Spiele aus.
Mobiles Internet in Tianjin
Smartphones und Tablet-Computer wie der IPad haben beim mobilen Internet in china einen regelrechten Boom ausgelöst. Kein Wunder, kann man doch nahezu alles nun auch von unterwegs aus machen, wozu man früher einen Computer benötigt hat.
Allein auf Tianjin entfallen 3.029.306 User, die zwischenzeitlich das mobile Internet nutzen. Die Netzabdeckung ist dabei in China und auch in Tianjin wesentlich besser als z.B. in Deutschland. Selbst in den Randbezirken funktioniert UMTS oder 3G bestens.
Das Leben ist alles andere als farblos!
Life is anything but colorless!
生活一点也不平淡!
Gleichgültig ob positiv oder negativ. Das Leben ist bei genauerer Betrachtung nicht nur schwarz/weiß, sondern in zahlreichen Farben schattiert. Dieser Blog berichtet von meinen Streifzügen durchs Leben.