China wird Autoland und die Deutschen beziehen Harz IV

Die Deutschen verehren Autos, Deutschland ist Autoland, und Autoland ist abgebrannt. China gibt nun den Ton an.

Was waren das noch für Zeiten, damals, als es noch Schwarz-Weiß-Fernsehen und Streichhölzer gab. Ja, nach dem Krieg wachte Deutschland autotechnisch auf. Das erste, damals noch luftgekühlte Auto wurde über den Brennerpass gequält, Straßen wurden gebaut und der ADAC erhob sich selbst zum Sprachrohr der Autofahrer.

Ja damals, damals fuhren die Chinesen noch Fahrräder und waren einheitlich gekleidet. Staus waren etwas, das es nicht gab und ein Auto hätte sich ein Chinese damals erst nach mehreren hundert Jahren harter Arbeit leisten können. Ein ganzes Volk fährt Fahrrad? Das Chinesen-Klischee stimmt nicht mehr so ganz.

Die Zeiten haben sich geändert. Gewaltig geändert. China hat bereits im ersten Halbjahr 2009 die USA als weltgrößten Automarkt abgelöst. In China rechnet man 2011 mit rund 20 Millionen Neuzulassungen. Allein im Dezember 2010 gab es 1.8 Millionen Neuzulassungen. Zum Vergleich. Allein die im Dezember neu zugelassenen Autos sind mehr, als in Russland pro Jahr zugelassen werden. Die Neuzulassungen 2010 in ganz Europa betrugen gerade mal 13.36 Millionen Fahrzeuge. Deutschland brachte es 2010 auf 2.92 Millionen Neuzulassungen.

Gut, nun werden einige sagen, dass es auch in China viel mehr Menschen gibt. Richtig. Das Durchschnittseinkommen ist jedoch wesentlich geringer und Autos aus dem Westen kosten wesentlich mehr als in Deutschland. China hat aber auch knapp eine Million Millionäre (Vermögen über eine Million Euro).

Wie stark China die Autowelt verändert, das zeigt sich auf der gerade stattfindenden „Auto Shanghai“ in China. Neue Automodelle und Studien werden nicht mehr in Deutschland präsentiert. Premieren feiert man heute in China. Und auch wenn man in China die Wahl zwischen Stau in der Stadt und Schlagloch auf dem Land hat, auch Ferraris erster Viersitzer wird zunächst einmal in China vorgestellt. Die 335 Stundenkilometer Spitze wird man in China wohl nie ausfahren können, aber das ist dabei nur nebensächlich.

Aber nicht nur die Autobauer rollen in China den roten Teppich aus. Auch die Zulieferer investieren lieber in China als in Deutschland oder Europa. Bosch kündigte bereits Investitionen in Höhe von 520 Millionen US-Dollar an. Wohlgemerkt nur im Automobilsektor.

Ja, Autoland ist abgebrannt und Deutschland ist nicht nur ein teurer Produktionsstandort, sondern auch kein wirklich nennenswerter Absatzmarkt mehr. Eine Marketingstrategie zu entwickeln, um Brötchenbomber oder Edelkarossen an Hartz IV-Empfänger zu verkaufen, ist eben auch keine leichte Aufgabe. Geld für Marketing und PR investiert man lieber in ein Land, in dem die Menschen noch den Arsch hoch bekommen. In einem Land, in dem es kein Hartz IV gibt sondern Menschen, die lieber 12 Stunden schuften, als arbeitslos zu sein. Und so erfüllt sich dann auch für immer mehr Menschen der Traum von einem Eigenheim, einem Auto und manchmal eine Europareise mit 10 Ländern in acht Tagen.

Deutschland, armes Deutschland. Exportweltmeister sind wir nicht mehr. Fussballweltmeister packen wir nicht. Und jetzt sind wir auch nicht mehr Autoland. Was uns bleibt, sind noch ein paar Jahre Ruhekissen Arbeitslosengeld und Hartz IV. Dann bleibt uns nichts anderes mehr, als uns in alte Trachten zu stecken und den Millionen Chinesen die dann die ehemalige Industrienation Deutschland besuchen, eine heile Welt mit Schloss Neuschwanstein vorzuspielen. Wenn wir ganz viel Glück haben, gibt es dann noch einen Fabrikverkauf in Metzingen. Verkauft werden wird dann dort nicht mehr BOSS & Co., sondern die letzten verbliebenen Patente und Errungenschaften aus einer Zeit, in der es noch die D-Mark gab. Früher war eben alles besser.

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