An der 41. Montagsdemo am 30.08.2010 nahmen (gezählte!) 16.800 Stuttgart 21-Gegner teil, so viele wie noch nie.

An allen Zugängen zum Areal am Nordflügel des Stuttgarter Hauptbahnhofs zählten die Veranstalter mit Hilfe von so genannten Schusszählern die heranströmenden Teilnehmer und kommen somit zu genauen Ergebnissen. Ich selbst bin erst gegen 18:30 Uhr eingetroffen und kann daher sagen, dass es sicherlich 18.000 oder mehr Teilnehmer waren, da zwischenzeitlich auch um das Areal herum die Straßen einspurig von Demonstranten gesäumt waren.

Besonders hervorzuheben ist hierbei, dass es das Wetter nicht gut mit den Demonstranten meinte. Es zeigt aber auch wie ernst es den Gegnern von Stuttgart 21 ist, wenn sich diese trotz strömenden Regens so zahlreich FRIEDLICH versammeln. Aber laut Bild-Zeitung handelt es sich ja um eine “Spätzle-Revolte”. Dabei berichtet die Bild-Zeitung auch vollkommen “investigativ” über Stuttgart 21 und bedienst sich bei der Darstellung gegenüber den Lesern einfach den bunten Informationsbroschüren von Stuttgart 21 …

Liebe BILD,

Tag für Tag berichten Sie unter Einsatz Ihres Lebens von der K21-Front. Furchtlos begeben Sie sich ins Kreuzfeuer der radikal-stuttgartistischen Schwaben und der noch radikaleren Schwabisten, darunter wildgewordene Senioren mit großkalibrigen Vuvuzelas oder mittlerweile sogar Kleinkinder, die dazu rekrutiert werden, kreuzgefährliche Parolen wie “Oben bleiben” zu skandieren. Ich hörte, das K21-Regime hat seine Truppen nicht nur am Bahnhof stationiert, sondern auch terroristische Trainingslager im Schloßgarten gebildet (man vermutet sogar einen ihrer Rädelsführer in einer Höhle im Park).

Gezielt versuchen die Fortschrittsfeinde, der Bevölkerung Angst zu machen mit einer angeblichen Truppenstärke von 50.000 Mann. Dank Ihrer Recherche, liebe BILD, weiß ich, daß es sich lediglich um ein paar Hundert Mann handelt, so wie die aktuellen Kosten von Stuttgart 21 sich ja in Wirklichkeit auch nur auf ein paar Hundert Euro belaufen.

Für diese Information danke ich im Übrigen Herrn Michael Föll, der neben seiner Tätigkeit als Finanzbürgermeister noch die Chefredaktion der BILD-tuttgart übernommen hat.

Liebe BILD, machen Sie weiter so. Deutschland braucht Sie!

(Danke an Christine Prayon, Stuttgarter Kabarettistin und Schauspielerin, die diesen “Brief” bei der Demo vorgetragen hat)

Zu keiner Zeit war zu befürchten, dass Gewalt von den Demonstranten ausgehen könnte. Die Polizei lies es sich dennoch nicht nehmen, die Teilnehmer von zahlreichen Positionen mit Kameras zu überwachen. Es stellt sich noch immer die Frage, ob dies nicht sogar rechtswidrig ist.

Angeblich ist seit heute Bewegung in den Dialog um Stuttgart 21 gekommen. Dies ist nichts anderes als gut ausgedachte PR-Arbeit. Ebenfalls (nahezu) unbeachtet von den etablierten Medien ist das “Stuttgart-21-Kartell”. Das “Who is Who” des “Stuttgart-21-Kartell” zeigt wirklich auf, wer zu den Gewinnern von Stuttgart 21 gehört. Es sind nicht die Bürger Stuttgart und schon gar nicht der deutsche Bahnfahrer an sich. Es sind die “Größen” der Politik (oder deren Familienangehörige) wie Stuttgarts Finanzbürgermeister Michael Föll oder Friederike Beyer (Lebensgefährtin von Ex-Ministerpräsident von Günther Oettinger) die den “großen Reibach” machen.

Ebenfalls bei Twitter und Facebook permanent im Gespräch - der angebliche Todefall einer Dame nach einem Herzinfarkt nach Behinderung der Rettungskräfte bei der Großdemonstration am 25.08.2010. Zwischenzeitlich hat die Kriminalpolizei in diesem Fall ermittelt und Jugendoffensive gegen Stuttgart 21 erhielt auf Anfrage folgende Email vom DRK-Kreisverband Stuttgart e.V..

“Sehr geehrte Frau […],

wir bedanken uns für Ihre Anfrage. Auch die Landeshauptstadt Stuttgart hat sich als Aufsichtsbehörde wegen dieses Notfalls an die Leitstelle gewandt. Die Kriminalpolizei hat heute die Einsatzprotokolle geprüft. Es wurde festgestellt, dass es bei diesem Notfalleinsatz keinerlei Abweichungen gab. Die Anfahrtszeiten des Notarztes und des Rettungswagens waren im üblichen Rahmen und sowohl der Notarzt als auch der Rettungswagen waren binnen weniger Minuten vor Ort. Beim Rettungseinsatz gab es keinerlei Behinderungen durch Demonstranten oder andere Personen. Die Patientin wurde ins Krankenhaus gebracht und ist dort verstorben.

Wir hoffen, dass wir Ihre Fragen damit beantworten konnten und verbleiben

mit freundlichen Grüßen Cornelia Kling stv. Kreisgeschäftsführerin DRK-Kreisverband Stuttgart e.V. Reitzensteinstr. 9 70190 Stuttgart”

Quellen: